Praxis-Modul

Spritzguss-Erlebnis – Recycling zum Anfassen

Aus dem Plastik, das die Kinder selbst zerkleinert haben, entsteht hier in wenigen Minuten ein echtes Alltagsprodukt – mit eigenen Händen gepresst, bunt wie der eigene Geschmack und einzigartig wie kein gekauftes Teil aus dem Laden. Das Spritzguss-Erlebnis ist der krönende Abschluss des Recyclingkreislaufs.

Modul-Fakten auf einen Blick

  • Zielgruppe: Kitas, Grundschulen, Sekundarstufe I (Klasse 1–8), Ferienprogramme, Kulturveranstaltungen
  • Dauer: ca. 3–8 Minuten pro Kind an der Station; als Gruppenmodul flexibel planbar
  • Aufwand: Mittel – immer mit Begleitung durch geschulte Fachkraft
  • Methodik: Handlungsorientiert, technisch-experimentell, körperlich erfahrbar
  • Voraussetzungen: Recyclat vom Fahrradschredder, betreute Durchführung durch Teammitglied zwingend erforderlich
  • Material: Recyclat (PP5, vorsortiert), Spritzgussmaschine, Formen (Lineal, Pflanzenklammer, Karabiner, Kleiderhaken, Kamm), Schutzhandschuhe für das Team
  • Kern-Skill: Kreislaufdenken, Technikverständnis, Materialkunde, Selbstwirksamkeit
  • BNE-Relevanz: SDG 12 (Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster), SDG 13 (Klimaschutz), SDG 4 (Bildung und Handlungskompetenz)

Worum geht es in diesem Modul?

Das Spritzguss-Erlebnis ist der Moment, auf den viele Kinder am meisten gespannt sind – und der sie am stärksten beeindruckt. Was zuvor am Fahrradschredder mit Muskelkraft zerkleinert wurde, kommt hier in die Spritzgussmaschine: Das Recyclat wird auf 230 Grad erhitzt, bis es die Konsistenz von weicher Knetmasse hat – und dann pressen die Kinder selbst mit einem großen Hebel das warme Material in eine Form hinein.

Das Ergebnis: ein echtes Recycling-Unikat. Bunt, individuell und von keinem anderen Kind auf der Welt genau so hergestellt. Kein Produkt aus dem Laden kann das ersetzen – und das spüren die Kinder. Ob Lineal, Pflanzenklammer, Karabiner, Kleiderhaken oder Kamm – jedes Kind wählt seine Form und nimmt sein selbst hergestelltes Produkt mit nach Hause.

Für Franchise-Partner ist dieses Modul das stärkste Herzstück des gesamten Recyclingmobils: Es verbindet den kompletten Kreislauf von Müll zu Produkt in einem einzigen, unvergesslichen Erlebnis. Es erzeugt Staunen, Stolz und tiefes Verständnis dafür, dass Recycling kein abstrakter Prozess ist – sondern etwas, das man selbst in Händen halten kann.

Studenten lernen zusammen

Lerninhalte & Methoden

Präsentation Workshop

01. GRUNDLAGEN SCHAFFEN

Bevor der Hebel gedrückt wird, lohnt sich ein kurzer Blick auf das Material: PP5 steht für Polypropylen, den Kunststoff, der in Joghurtbechern, Frischhaltedosen und vielen Lebensmittelverpackungen steckt. Er gehört zu den sogenannten Thermoplasten – Kunststoffen, die man erhitzen, verformen und wieder abkühlen lassen kann, ohne dass sie ihre Eigenschaften verlieren. Genau das macht PP5 so gut recycelbar.

Hier entfaltet sich ein wichtiger Lernmoment: Warum müssen Kunststoffe sortiert werden? Weil verschiedene Sorten unterschiedliche Schmelztemperaturen haben und sich beim Mischen gegenseitig stören – das Ergebnis wäre spröde, unförmig und unbrauchbar. Sortenreinheit ist also keine Bürokratie, sondern die Voraussetzung dafür, dass aus Müll wieder etwas Hochwertiges entstehen kann.

Je nach Altersgruppe kann das vertieft werden: Schmelztemperaturen verschiedener Kunststoffe, Recycling-Codes auf Verpackungen, der Unterschied zwischen werkstofflichem und energetischem Recycling – alles anschlussfähig an Schulfächer wie Chemie, Physik, Sachunterricht oder Geografie.

02. HANDWERK & HERSTELLUNG

Die Kinder füllen das sorgfältig sortierte Recyclat selbst in die Spritzgussmaschine ein – entweder einfarbig für ein klares, reines Ergebnis oder gemischt für ein buntes Unikat. Das Recyclat vom Fahrradschredder ist naturgemäß eine bunte Mischung, da viele verschiedene PP5-Verpackungen zusammenkommen – das macht jedes Produkt zu einem echten Einzelstück.

Ein Teammitglied ist immer direkt an der Maschine dabei, sorgt für Sicherheit und begleitet den Prozess. Das Kind wählt seine Wunschform – Lineal, Pflanzenklammer, Karabiner, Kleiderhaken oder Kamm – und der Mitarbeiter bringt sie unter die Maschine. Dann drückt das Kind selbst den großen Hebel: Das erhitzte Material wird in die Form gepresst, ein kleines Holzstück verschließt den Auslass, damit nichts ausläuft.

Nach kurzer Abkühlzeit wird die Form gemeinsam geöffnet – und das neue Produkt kommt zum Vorschein.

  • Kinder steuern den entscheidenden Moment selbst: das Pressen
  • Farbe und Form werden individuell gewählt
  • Das fertige Produkt verlässt die Maschine innerhalb weniger Minuten
  • Jedes Stück ist ein Unikat – anders als alles, was man kaufen könnte

Laboranalyse
Team Kollaboration

03. REFLEXION & TRANSFER

Das fertige Produkt in der Hand ist der stärkste Gesprächsanlass des ganzen Projekttages. Was war das vorher? Wie lange hat es gedauert, es herzustellen? Was wäre passiert, wenn es einfach in den Müll geworfen worden wäre?

Hier schließt sich der Kreis: von der Verpackung im Supermarkt über die gelbe Tonne über den Fahrradschredder bis zum neuen Alltagsgegenstand in den Händen des Kindes. Dieser vollständige Kreislauf – selbst erlebt, selbst ausgeführt – hinterlässt ein Verständnis, das kein Lehrbuch erzeugen kann.

Die Kinder nehmen ihr Unikat mit nach Hause. Und mit ihm die Geschichte, die dahinter steckt – eine Geschichte, die sie mit Stolz weitererzählen.

MATERIAL ZUM MODUL

  • Kurzinfo-Karte: Recycling-Codes und welche Kunststoffe wohin gehören (zum Mitnehmen)
  • Übersicht der aktuell verfügbaren Formen mit kurzer Produktbeschreibung
  • Moderationsimpulse: Warum Sortenreinheit so wichtig ist – kindgerecht erklärt
  • Arbeitsblatt: Welcher Kunststoff steckt in welchem Produkt? (Klasse 3–8)
  • Sicherheitshinweise und Betriebsanleitung für Franchise-Partner

VORAUSSETZUNGEN

  • Recyclat vom Fahrradschredder (vorsortiertes PP5-Material)
  • Spritzgussmaschine, einsatzbereit und aufgewärmt
  • Immer eine geschulte Fachkraft direkt an der Maschine – Pflicht
  • Sicherheitsabstand für wartende Kinder einhalten
  • Ausreichend Formen bereithalten (aktuell: Lineal, Pflanzenklammer, Karabiner, Kleiderhaken, Kamm)
  • Hinweis: Maschine arbeitet bei 230 °C – Sicherheitseinweisung vor dem Einsatz erforderlich

Material zum Modul

Laden Sie sich hier alle relevanten Dokumente, Checklisten und Präsentationen für dieses Modul herunter.

Ihr Ansprechpartner

Benjamin Palmowski

Support Bildungsmodule

Bei Fragen zur praktischen Umsetzung, zur Einbindung in ein Franchise-Modell oder zur Anpassung an Ihre Zielgruppen unterstützen wir gerne bei der inhaltlichen und organisatorischen Planung.