Praxis-Modul

Cyanotypie – Wenn die Sonne malt

Mit Sonnenlicht, Naturmaterialien und einem Hauch Chemie entstehen in diesem Modul leuchtend blaue Bilder – ganz ohne Bildschirm, Drucker oder digitale Geräte. Die Kinder schaffen etwas Einzigartiges und erleben dabei, wie Physik, Natur und Kreativität zusammenwirken.

Modul-Fakten auf einen Blick

  • Zielgruppe: Kitas, Grundschulen, Sekundarstufe I (Klasse 1–8), Ferienprogramme, Kulturveranstaltungen
  • Dauer: ca. 30–60 Minuten pro Gruppe, je nach Altersgruppe und Vertiefung
  • Aufwand: Leicht bis mittel
  • Methodik: Kreativ-experimentell, naturpädagogisch, handlungsorientiert, analog
  • Voraussetzungen: Sonnenlicht oder Belichtungskästen, vorbereitetes Cyanotypie-Papier
  • Material: Vorbeschichtetes Cyanotypie-Papier, Naturmaterialien, transparente Folien mit Motiven oder Buchstaben, Wasser zum Entwickeln
  • Kern-Skill: Naturverbundenheit, Experimentierfreude, analoges Gestalten, Staunen als Bildungsmoment
  • BNE-Relevanz: SDG 4 (Bildung und Kreativität), SDG 15 (Leben an Land – Natur beobachten und wertschätzen)

Worum geht es in diesem Modul?

Cyanotypie ist eine der ältesten fotografischen Techniken der Welt – erfunden 1842 vom britischen Astronomen und Naturwissenschaftler Sir John Herschel, und ein Jahr später berühmt gemacht durch die Botanikerin Anna Atkins, die damit als erste Frau überhaupt ein fotografisch illustriertes Buch veröffentlichte. Ihr Werkzeug: Pflanzen, Sonnenlicht und chemisch behandeltes Papier – keine Kamera, kein Labor, keine Digitaltechnik.

Genau das machen wir auch. Die Kinder legen Naturmaterialien – Blätter, Gräser, Blüten – oder transparente Folien mit Buchstaben und Motiven auf vorbeschichtetes Papier und legen alles in die Sonne. Wo Licht auftrifft, reagiert die eisenhaltige Beschichtung und färbt sich tief blau. Wo etwas liegt, bleibt das Papier hell. Nach wenigen Minuten in der Sonne wird das Bild mit Wasser entwickelt – und plötzlich erscheint ein leuchtendes, blaues Bild.

Das Besondere an diesem Modul ist die Kombination aus Staunen, Naturverbundenheit und einem echten Aha-Moment: Die Kinder begreifen, dass Licht Energie ist, dass Chemie im Alltag steckt – und dass man wunderschöne Dinge herstellen kann, ohne ein einziges digitales Gerät zu brauchen. Das Ergebnis kann eine Postkarte für die Mama, ein Andenken für die Freunde oder einfach ein persönliches Kunstwerk sein.

Studenten lernen zusammen

Lerninhalte & Methoden

Präsentation Workshop

01. GRUNDLAGEN SCHAFFEN

Die Geschichte der Cyanotypie ist selbst ein Bildungsmoment: 1842 entdeckte John Herschel, dass bestimmte Eisenverbindungen auf Licht reagieren und sich dabei tiefblau färben. Seine Freundin Anna Atkins nutzte das Verfahren, um Farne, Algen und Pflanzen für die Wissenschaft zu dokumentieren – und schuf dabei das erste Fotobuch der Geschichte. Alles ohne Kamera, alles mit Sonnenlicht.

Je nach Alter der Kinder kann die Chemie dahinter einfach oder vertieft erklärt werden: Das beschichtete Papier enthält Eisen-Verbindungen, die beim Kontakt mit UV-Licht reagieren und den charakteristischen blauen Farbstoff – das sogenannte Berliner Blau – entstehen lassen. Wo ein Gegenstand liegt und das Licht blockiert, bleibt das Papier weiß. Wasser stoppt die Reaktion und entwickelt das fertige Bild.

Für jüngere Kinder reicht die Kurzfassung: „Die Sonne malt für uns.“ Für ältere Gruppen öffnet das Modul die Tür zu Physik, Chemie und Fotogeschichte gleichermaßen.

02. HANDWERK & HERSTELLUNG

Wenn vorher eine Müllsammelaktion oder ein Spaziergang stattgefunden hat, können die Kinder gezielt flache Naturmaterialien mitbringen – Blätter, Gräser, Federn, Blüten. Diese werden zusammen mit transparenten Folien (bedruckt mit Buchstaben, Symbolen oder Motiven) auf das Cyanotypie-Papier gelegt und mit einer Glasscheibe oder einem Rahmen fixiert.

Dann kommt der spannendste Moment: Das Papier kommt in die Sonne. An einem hellen Tag dauert die Belichtung nur wenige Minuten. Die Kinder beobachten, wie sich das Papier langsam verändert. Danach wird das Bild unter fließendem Wasser entwickelt – und das tiefe Blau erscheint wie von Geisterhand.

  • Naturmaterialien direkt aus der Umgebung nutzbar – ideal als Ergänzung zur Müllsammelaktion
  • Buchstaben und Symbole auf Folie ermöglichen persönliche Botschaften und Karten
  • Ergebnis ist ein echtes Unikat, das getrocknet und mitgenommen werden kann
  • Kein Strom, kein Bildschirm, keine digitale Technik nötig

Laboranalyse
Team Kollaboration

03. REFLEXION & TRANSFER

Am Ende halten die Kinder ihr fertiges Sonnenbild in den Händen – blau, leuchtend, einmalig. In der Abschlussrunde fragen wir: Was hat das Licht gemacht? Was wäre passiert, wenn es bewölkt gewesen wäre? Warum ist euer Bild anders als das deiner Nachbarin?

Diese Fragen öffnen Gespräche über Physik und Chemie, aber auch über Kreativität, Natur und die Frage, was wir eigentlich alles können – ohne Handy und ohne Internet. Besonders die jüngeren Kinder sind regelmäßig begeistert, dass „die Sonne gemalt hat“. Und auch Erwachsene staunen bei diesem Modul verlässlich.

Das fertige Bild – ob Postkarte, Geschenk oder persönliches Andenken – ist ein starkes Symbol dafür, dass Natur, Wissenschaft und Kreativität keine getrennten Welten sind, sondern zusammengehören.

MATERIAL ZUM MODUL

  • Vorbeschichtetes Cyanotypie-Papier (fertig zur Verwendung)
  • Professionelle Belichtungskästen
  • Glasscheiben oder Klemmrahmen zum Fixieren der Motive
  • Auswahl an transparenten Folien mit Buchstaben, Zahlen, Symbolen und Motiven
  • Wanne oder Schale mit Wasser zum Entwickeln
  • Kurzinfo-Karte zur Geschichte der Cyanotypie und Anna Atkins (zum Mitnehmen)
  • Moderationsimpulse für verschiedene Altersgruppen (Kita bis Klasse 8)

VORAUSSETZUNGEN

  • Sonnenlicht oder Belichtungskästen (an bewölkten Tagen längere Belichtungszeit einplanen)
  • Das Cyanotypie-Papier muss bis zur Verwendung lichtgeschützt aufbewahrt werden
  • Wasser und eine Schale oder Wanne zum Entwickeln bereitstellen
  • Ausreichend Platz im Freien oder am Fenster
  • Betreuung durch eine eingewiesene Person
  • Trocknungsmöglichkeit für die fertigen Bilder (Wäscheleine, Zeitungspapier o. ä.)

Material zum Modul

Laden Sie sich hier alle relevanten Dokumente, Checklisten und Präsentationen für dieses Modul herunter.

Ihr Ansprechpartner

Benjamin Palmowski

Support Bildungsmodule

Bei Fragen zur praktischen Umsetzung, zur Einbindung in ein Franchise-Modell oder zur Anpassung an Ihre Zielgruppen unterstützen wir gerne bei der inhaltlichen und organisatorischen Planung.